Porträt

Rosemarie Ott
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Die in Braunau geborene Künstlerin wurde früh „vom Duft der Stoffe in der Schneiderwerkstatt ihres Vaters“ inspiriert, wie ich gelesen habe.
Ca.1988 begann ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Textilien in unterschiedlichsten Techniken, die einerseits perfekt klassisch ausgeübt, bald aber auch frei interpretiert wurden.
1998 begründete sie ein eigenes Atelier „Kunst am Kai“ und begann mit verschiedenen Stoffqualitäten, Fasern, Fäden und Naturmaterialien zu experimentieren und sie auf unkonventionelle Weise zu verarbeiten.
Rosemarie Ott, die Mitglied der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler und von Art Austria ist, nutzt das Textile schon seit Jahrzehnten als künstlerisches Medium und kann somit als eine der Vorreiterinnen eines aktuell herrschenden Trends in der Bildenden Kunst gesehen werden. Seit einigen Jahren findet man auf allen großen Kunstausstellungen textile Werke und viele Künstlerinnen und Künstler nutzen die vielen Gestaltungsmöglichkeiten und speziell die Flexibilität des textilen Materials. Gerade jetzt auf der aktuellen Biennale 2017 in Venedig ist zum Beispiel ein großer Bereich der Arsenale nur mit textilen Arbeiten und Rauminstallationen bestückt. Schon seit den 1960er Jahren gibt es überall auf der Welt große Ausstellungen und Biennalen mit Textilkunst, die aber bis vor wenigen Jahren in der Kunstwelt nicht als gleichwertig mit z.B. Malerei oder Bildhauerei angesehen wurde. Das hat sich nun grundlegend geändert und unsere Galerie leistet seit 12 Jahren einen Beitrag zu dieser Entwicklung.

Zur Ausstellung:
Rosemaria Ott ist sehr sensitiv,- als Person sowie als Künstlerin. Sie hat ein feines Farbgefühl und ein Gespür für textile Oberflächen und Strukturen. Für die Exponate der Ausstellung hat sie zarte verschiedenfarbige Seidenlagen mit hunderten farbigen Nahtlinien zusammengefügt. Die Nähte, die teils sehr dicht verlaufen und dann auseinanderstreben, geben den Blättern Relief und kontrastierende Farbigkeit. Die lose hängenden Seidenfäden bilden Schwänze und verwandeln die Ginkgoblätter in geflügelte Tiere oder Rochen.
Die Oberfläche der Objekte wurde am Schluss mit einer Art Firnis beschichtet, was dem Material Stabilität, Körper und Glanz verleiht.
Schon im Jahr 2002 entstanden die ersten großen Ginkgoblätter, die in der Natur entweder in ihrer jugendlichen, tiefer eingeschnittenen Form oder ausgewachsen fächerförmig ausgebreitet erscheinen.  Die amorphen Formen hier in der Ausstellung können als Pflanze oder auch als schwebendes oder schwimmendes Tier gesehen werden. Durch die Eigenspannung des Materials und durch die Art der Hängung wölben sich die Formen oder rollen sich ein. So entstehen aus den ursprünglich flächigen Blättern dreidimensionale Objekte, die plastisch an der Wand oder auch frei im Raum schwebend ihre starke Wirkung entfalten. Besonders auch durch das feine Farbenspiel der Seide bei unterschiedlichem Lichteinfall.
Rosemaria Ott arbeitet gern mit Pflanzen, Blättern, pflanzlichen Strukturen, aber der Ginkgobaum und speziell die Ginkgoblätter interessieren sie schon lange. Der Ginkgo, einer der ältesten Baumsorten, ist Symbol für Hoffnung, langes Leben, Fruchtbarkeit und Unbesiegbarkeit. Das zweigeteilte Blatt gilt als Sinnbild für Yin und Yang, für das weibliche und männliche Prinzip, wie auch für Leben und Tod. Ginkgoextrakte werden in Asien und zunehmend auch im Westen zur Behandlung unterschiedlichster Leiden eingesetzt. Nachweislich wirkt der Ginkgo medizinisch auf die Informationsverarbeitung im Gehirn. In Japan wird der Ginkgo sehr geschätzt, weil er Gesundheit und langes Leben bringen soll.
Lassen sie sich beflügeln und die textilen Ginkgo-Blätter von Rosemarie Ott auch in diesem erweiterten Sinn wohltuend auf sich wirken.

Brigitte Leben

"beflügelt" - Rosemarie Ott
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Objekte
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Bilder zur
Vernissage
 
     
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