Tanja Boukal

Tanja Boukal

Tanja Boukal ist 1976 in wien geboren und hat an der Wiener Kunstschule Dekoration und Bühnenbild studiert.

Die Kunst ist Tanja Boukals Sprachrohr, weshalb sie sich nicht auf ein Material, eine Darstellungsweise, eine Technik beschränkt, sondern immer mit Blick auf die Installation jene Präsentationsform der ihr wichtigen Inhalte wählt, die ihnen am meisten entsprechen.
Ihr Frühwerk ist charakterisiert durch eine Vielzahl an skulpturalen Werken, in denen sie bereits gesellschaftskritische Themen aufgriff, seit einigen Jahren beschäftigt sie sich vermehrt mit handwerklichen Techniken wie Sticken und Stricken, die nicht nur ob ihrer Verwandtschaft zur pixelbasierten Bildauflösung unserer Medienbilder für sie relevant sind, sondern auch ob der Zeitintensivität. Zeit sichtbar zu machen und diese Zeit in Relation zur bildimmanenten Verzweiflung der Dargestellten zu bringen, ist in den Stick- und Strickbildern evident. Während sie die Stickbilder tatsächlich händisch ausführt, verwendet sie für ihre Strickbilder eine Maschine. Die persönliche und die mechanische Ausführung reflektieren Wahrnehmungsparameter unserer Gesellschaft.
Es sind die Namenlosen, deren Gesichter wir für den Bruchteil einer Sekunde wahrnehmen und ebenso schnell wieder vergessen, denen Tanja Boukal hier ihre Zeit und ihre Aufmerksamkeit widmet, denen sie durch ihre Werke eine neue Sprache verleiht.

Die Gegensätzlichkeit der paradiesischen Vorstellungen und der harten Realität jener, die es schaffen, ins „gelobte Land“ zu gelangen, zeigen die sechs gestrickten, großformatigen Bilder unter dem Titel “All that Glitter and Gold”: ebenfalls gestrickte Goldrahmen fassen die in schwarz-weiß gehaltenen Abbildungen unterschiedlicher Schicksale ein. Wieder sind es nicht die Namen der Dargestellten, sondern die Orte des Geschehens (Fuerteventura, Athen, Wien, München, Calais, Rom), die offenkundig machen, wie austauschbar und mannigfaltig ihre Schicksale sind –
U-Haft, Prostitution, Opfer von Ausländer-feindlichkeit, ein Leben am Rande der Gesellschaft.

Die Strickbilder und ihre Wolle vermitteln eine heimelige, warme Atmosphäre, zeigen die Ambivalenz zwischen dem Material und dem Sujet: Während mittelalterliche Tapisserien das Idealbild des paradiesischen hortus conclusus zeigten, basieren die Strickbilder von Tanja Boukal auf Fotografien der harten Realität dessen, was MigrantInnen im vermeintlichen Paradies erwartet. Tapisserien hatten aber auch schon im Mittelalter didaktische Aufgaben, wie unter anderem an die höfischen Gesetze zu gemahnen. So versteht die Künstlerin auch ihre Strickbilder als erhobenen Zeigefinger für unsere bigotte Gesellschaft.

Der Barock anmutende, goldene Rahmen wirkt dabei wie Hohn  gegenüber dem zur Schau stellen menschlichen Elends, während in der politischen Realität der Europäischen Union die Menschenrechte verletzt werden, um keine mutmaßlichen Störenfriede in unser Paradies vordringen zu lassen. Das S/W-Bild erweckt Distanz, aber in seiner Anlehnung an das Zeitungsbild vermittelt es auch Seriosität. Der Goldrahmen macht das Bild zum Spiegel, der uns – wie jene Zauberspiegel im Märchen – die Wahrheit vor Augen hält.
Der Text der Europahymne „Ode an die Freude“ beginnt mit den Worten „O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen, und freudenvollere.“.

Und als ob er dieser Aufforderung Folge leisten würde, hängen von einem Luster in der Mitte des Raumes die Worte „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ in den fünf wichtigsten Sprachen Europas – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Es ist das einzige Sprichwort, das in einem ähnlichen Wortlaut tatsächlich in allen europäischen Sprachen existiert, die gleiche Bedeutung hat und sogar bis auf das Lateinische zurückgeht. „Jeder ist seines Glückes Schmied!“ steht für die Intention eines bestimmten Selbstverständnisses: dafür, dass jeder sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss, um aus sich etwas zu machen.

Genau das haben die Männer und Frauen gewagt, die ihr Land verlassen haben, um in ihr Paradies zu gelangen. Dass genau das jedoch nicht zum erhofften Glück und Wohlstand geführt hat, zeigt Tanja Boukal, in dem sie die gläsernen Buchstaben verkohlt und verzerrt.

Dass Europa nicht jede und jeden in ihren Reihen willkommen heißt, wenngleich sie versuchen, ihres Glückes Schmied zu sein, wird sogar in einer Strophe der Europahymne deutlich:

Wem der große Wurf gelungen, /
eines Freundes Freund zu sein, /
wer ein holdes Weib errungen, /
mische seinen Jubel ein! /
|: Ja, wer auch nur eine Seele /
sein nennt auf dem Erdenrund! /
Und wer’s nie gekonnt, der stehle /
weinend sich aus diesem Bund. :|

biografie.pdf

All That Glitter and Gold
Athen Calais Fuerteventura
Athen Calais Fuerteventura
Athen Detail Rahmen Wien-Detail
Athen-Detailansicht Goldrahmen Wien-Detailansicht
München Rom Wien
München Rom Wien
 
Vernissage-Impressionen
Ansprache
Ansprache
Tanja
  Presseleute
Bild
 
Teufel Tanja Boukal mit
Tina Teufel
Bild
Vernissage Vernissage Vernissage
     
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