Was sind Kanthas?
Kanthas sind bestickte Stoffe aus Bihar (Indien) und Bangladesch. Alte weiße Dhotis (traditionelle indische Männerbekleidung) und Saris werden zusammengesteppt (gequiltet) und dann bestickt. Zum Sticken werden vorwiegend Seidenfäden verwendet, die aus alten Saris gewonnen werden. Kanthas haben meist ein Lotossymbol (Symbol des Universums) in der Mitte, die übrige Fläche zieren Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt, Szenen des täglichen Lebens, vermischt mit religiösen und allegorischen Motiven. Jeder Kantha ist ein Unikat. Verwendet wurden Kanthas als Decken für den Winter, als Einbände für Bücher und andere Wertgegenstände, als Sitzunterlagen beim Essen und als zeremonielle Matten für Braut und Bräutigam bei Hochzeiten und für religiöse Anlässe. Seit dem 1. Viertel des 20. Jhdts. wurde dieses Kunsthandwerk durch die Industriealisierung fast zur Gänze verdrängt. Bengalen war lange der am stärksten industriealisierte Unionsstaat Indiens. Das Hauptzentrum der Kantha-Herstellung lag im östlichen Bengalen, dem heutigen Bangladesh. Heute versucht man dort dieses Kunsthandwerk wieder aufleben zu lassen. Es werden bestickte und gesteppte Wandbehänge, Decken und Kleider angefertigt, wobei neue Stoffe und alte Muster verarbeitet werden; die besten erinnern an die kraftvollen Naturdarstellungen der klassischen Vorlagen. Diese neuen Kanthas werden nur für den Export und fürden Tourismus angefertigt. Bengalen war durch die immer wiederkehrenden Überschwemmungen von großer Armut beherrscht, war ein sehr isoliertes Gebiet und konnte deshalb im Kunsthandwerk seinen eigenen Stil beibehalten. Auszug aus: Traditionelle Indische Textilien John Gillow, Nicholas Barnard Verlag Paul Haupt, Bern und Stuttgart 1 Puri 2 Pipli 3 Nuapatna 4 Bargarh 5 Sambalpur 6 Sonepur 7 KalkuLta 8 Murshidabad 9 Patna 10 Monghyr 11 Dakka 12 Gauhati Kantha 01 Kantha 02

 

KANTHAS
     
 
     
     
     
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