Hopp-Meraner
Gerti Nägele und Margot Meraner
Biografie.doc

Erläuterungen zur Serie „Fungi“

Gerti Hopp und Margot Meraner arbeiten mit einer eigenen Sgraffito-Technik auf Samt.
Schicht für Schicht, mit feinen Licht- und Farbveränderungen, wird die Zeichnung mit Messern aus dem Samtflor herausgearbeitet.
Beide Künstlerinnen sind leidenschaftliche Pilzsammlerinnen, wobei sich in der Serie „Fungi“ (lateinische Gattungsbezeichnung) unter Trüffel, Pfifferling und Steinpilz auch Schimmelpilz und Candida mischen. Pilze wachsen im Geheimen, im Dunkeln, und wollen gefunden werden.
Ähnliches geschieht hier im Bild-Raum:
Erst im langsamen Annähern und Vorübergehen wird Unsichtbares sichtbar.
Der Pilz steht stellvertretend für Natur-Zyklen, für Auftauchen und Verschwinden, Wachstum und Veränderung.

Erläuterungen zu den Lanzen

Die Lanzen haben einen Holzkern, verkleidet mit Samt, Leder, Fell, Brokat etc. Sie sind variabel einsetzbar, als Wandobjekt oder Rauminstallation, einzeln oder in Gruppen.

Rede zur Vernissage am 15. Juni 2012


Ich freue mich sehr, Ihnen heute zwei Vorarlberger Textilkünstlerinnen vorstellen zu dürfen. Beide haben vor einigen Jahren an der Hochschule Mozarteum Textiles Gestalten studiert und ich darf heute als ihre ehemalige Lehrerin ein paar Worte zur Ausstellung sprechen. Obwohl beide Künstlerinnen aus Vorarlberg sind, haben sie sich erst hier beim Textilstudium kennengelernt und arbeiten eigentlich seit damals als Team miteinander.
Es ist schon etwas Außergewöhnliches, dass sie immer gemeinsam, sozusagen von zwei Seiten an den Exponaten arbeiten. Es erfordert großes Verständnis füreinander und großes Vertrauen in die andere, wenn eine künstlerische Arbeit herauskommen soll, zu der beide stehen können.
An dieser Stelle ist es notwendig zu begreifen, wie so ein Samtsgraffito entsteht. Ein Sgraffito ist grundsätzlich eine Technik der Wandgestaltung, bei der in eine feuchte helle Putzschicht mit einem Werkzeug hineingekratzt wird, sodass die dunklere Grundierung zum Vorschein kommt.

Gerti Nägele und Margot Meraner haben in ihrer Textilkunst eine eigene Technik entwickelt, bei der sie mit feinen Skalpellen Schichten des Samtflors abschaben oder abtragen. Je tiefer sie vordringen, desto heller wird beim Samt der Farbeindruck. Auf diese subtile Weise entstehen ihre Grafiken, plastische Formen mit malerischen Effekten.Inhaltlich haben sich die Künstlerinnen seit längerer Zeit mit Pilzen und Schwämmen und deren unterschiedlichen Formen beschäftigt.
Sie sind leidenschaftliche Pilzsammlerinnen, sie achten aber auch Schimmelpilze und Candida. Sie haben mir erklärt, dass Pilze häufig an dunklen und geheimen Plätzen wachsen und dass man sie deshalb suchen muss. Ähnlich ist es hier in ihren Werken.
Die Pilze drängen manchmal aus der Fläche heraus, sie scheinen in einem imaginären Raum zu schweben oder verschwinden fast ganz.
Die Arbeiten verändern sich stark je nach Lichteinfall und Standpunkt des Betrachters.
Neben den Samtgraffitos zeigen die Künstlerinnen weiche Waffen, samtüberzogene Schilde und Lanzen mit weichen Spitzen. Das Martialische wird gebrochen, eine weiche Hülle verdeckt den harten Kern. Die Künstlerinnen haben ihre Installation der Speere an die Galerie angepasst. Stehend könnten sie ein Spalier bilden, oder als ein riesiges Mikado am Boden gestreut liegen. Meine textile Assoziation dazu ist ein riesiges Stricknadel-Spiel. Ich weiß nicht, ob sie das wissen: Auch Stricknadeln gelten seit dem 11. September als potentielle Waffen und dürfen bei der Einreise in die USA nicht mehr im Handgepäck mitgeführt werden.

Brigitte Leben

GERTI NÄGELE und MARGOT MERANER
Bovist Samtpilz Candida albicans
Serie  "Fungi"
Pilzzellen Samtpilz Pilzzellen
 
  Hirsch  
  Hirsch  
Lanzen und Schilde
Schild Speere Schilde
  Kollektion  
Bilder der Vernissage
Vernissage Vernissage Vernissage
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