Christina Ruhland
[Biographie]

Rede von Cordula Hofmann-Molis zur Vernissage am 16.5.2008.
Ich konnte schon einmal die Arbeiten von Nina Ruhland in der Öffentlichkeit besprechen. Hier und heute kann ich wieder meine Worte als Hülle für ihre Aussagen verwenden. Ich kann diese Ausstellung mit dem, was und wie ich es sage, vor ihren Augen und Ohren entkleiden, verhüllen, verstecken. Man hört schon, wieviel Macht in diesem textilen Wortschatz verborgen ist.
Aber erst einmal ein paar Worte zur Person Nina Ruhland. In München geboren und aufgewachsen und auch in München lebend, studierte und übte sie erst einen sozialtherapeutischen Beruf aus, bevor sie an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg freie Textilkunst zu studieren begann und das Diplom erwarb.
Es ist bereits an diesen ersten paar Punkten in ihrer Vita das Geheimnis der Sensibilität für Menschenwesen und textiles Geflecht zu erkennen. Nach Beruf und Studium kamen viele Präsentationen ihrer Arbeiten an die Öffentlichkeit. Zwei davon möchte ich erwähnen.
Einmal die ungewöhnliche Schau im Prähistorischen Museum in München, die Museumsbesucher und Kunstobjekte der Nina Ruhland so vereinten, dass man Geschichte und Jetztzeit miteinander eng verbunden sah.
Dann - „Brauchtum und Brauchtümer“ - eine Ausstellung in einer Gegend in Oberbayern, wo diese beiden Begriffe einen so hohen Stellenwert haben, von ihr mit viel Gespür aufgearbeitet wurden.
In einer offiziellen Funktion war sie lange als Leiterin der Josephine-Beuys-Stiftung in München tätig. Hier spielt der Umgang und Zugang zu Künstlerinnen eine wichtige Rolle. Sie erreichte, dass sich Frauen der unterschiedlichsten Vorstellungen  im künstlerischen Schaffen einander zuwandten und miteinander ein Stück Weg teilten. Ich erwähne dies alles, weil ich glaube, man kann so die künstlerische Aussage dieser Ausstellung mit der Person besser verbinden.
Sind nicht die Kleidergeschichten, die hier erzählt werden, immer auch unsere Geschichten? Wer kennt das nicht, wenn man ein altes Gewand nach Jahren wiederfindet und alles stehen und liegen läßt, um seinen Träumen von vergangenem Glück oder Unglück nachzuhängen. Das Aufarbeiten von Alltäglichem gehört zu den Arbeiten von Nina dazu. Das stete Ordnen und Neuordnen und der Versuch den Dingen einen wesentlichen Platz an der Stelle zu geben, an dem sie ihrer Meinung nach zu Hause sind. Natürlich verändert sich das zu Hause manchmal, aber es bleibt doch eine Heimat in ihrem Denken.
In ihr verfestigt sich also die Idee, dass alle Dinge, die uns umgeben und die wir nutzen, ein Teil der Kunst sind. Nutzlose Dinge ebenso wie solche, die uns Nutzen bringen. Diese Denkvorgänge kennzeichnen besser als ein Kalender die Lebenszeit mit größter Genauigkeit, und zudem sind sie nicht diskutierbar. Sie besitzen dadurch ein Schutzschild und können nicht missbraucht werden.
Die hier gezeigten Kleidergeschichten erzählen also vom Leben und vom Nutzlosen wie Nutzbringenden, und sie haben noch eine Besonderheit, man kann mitten in der Geschichte einsteigen und sich eine neue genau auf den Leib zugeschnittene erfinden. Sozusagen anziehen und darin leben und neu sehen, was neu für einen selber erfunden werden muss. Und das erstreckt sich über ein ganzes Leben.
Dabei und in Gesprächen mit Nina der Künstlerin wünsche ich euch für den heutigen Abend und der Dauer der Ausstellung das größt mögliche Vergnügen.

Christina Ruhland
der Kragen 1 der Kragen Text
die Bluse Text
 
 
  Seidenärmel rechts Seidenärmel links
 
Kronenbild  
 
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