Die Studentinnen des 1. Studien-abschnitts im Fach Textiles Gestalten an der Universität Mozarteum haben sich einige Wochen mit der Thematik „hautnah“ auseinander gesetzt. "Hautnah" heißt „nahe bei der Haut“, „direkt an der Haut“, „auf der Haut getragen“, „Haut aus der Nähe gesehen“, „Haut durch das Mikroskop gesehen“, „ähnlich wie Haut“ usw. 
Die ausgestellten Arbeiten in verschiedenen textilen Techniken zeigen unterschiedliche Interpre-tationen des Themas. Gewebte Kissen aus Leinen mit scharfen Splittern, spitzen Stacheln, gefährlichen Auswüchsen zeigen Hautoberflächen und bieten die Möglichkeit des empathischen Zugangs, - man kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man sich  die eigene Haut an den scharfen Elementen aufreißen würde.
Die aufgedruckten Muster der zarten weißen Tüllhäute offenbaren bei genauem        Hinsehen rhythmisch wiederkehrende Elemente aus körpernahen Motiven. Durch die Schichtung zweier Drucke entsteht eine spannende optische Irritation, ein Moireeffekt.
Gewebte Leinen – Bahnen sind abgestimmt auf die Körpergröße und Breite junger Frauen. Sie weisen mit feinen farbigen Broschierungen jene Stellen an, an denen im Körper lebenswichtige Organe sitzen. In großen Rahmen unter Glas befindet sich eine farbige Muster - Kollektion aus Quadraten mit spannenden Textilreliefs.  
Präsentiert werden mehrlagige, wattierte, abgesteppte, applizierte Texturen und Farbflächen, die sorgfältig per Hand oder mit der Maschine geschaffen wurden. Eine liegende Stickerei erzählt in feinen Stichen persönliche Geschichten. Ausschnitte aus Körperfalten, Beugen und Ein-schnitten. Dem Betrachter bleibt individueller Spielraum für eigene Interpretation.
Bunte Brettchengewebe mit kom-pliziert verflochtenen Mustern betonen deutlich oder auch nur als Zitat verschiedene Haut – und Körperstellen. Immer drei der großformatigen Fotografien in Graustufen erzählen eine Ge-schichte, die sich jedoch nicht auf den ersten Blick erschließt.
Zwei dicht gefilzte Flächen erinnern an mit dem Skalpell aus einem großen Körper heraus geschnittene dicke speckige Hautstücke mit blasser Oberhaut, mit Fettgewebe  und  blutig roter Unterhaut. Fünf hängende Hemdchen wirken wie eine zum Kauf angebotene Kollektion.
Bei näherer Betrachtung zeigen sie stellvertretend für Menschen-körper entzündete Wunden, Krampfadern, Geschwüre und Behaarung.  Abgelegte Häute von Menschen, die selbst unversehrt und heil aus der Haut geschlüpft sind. Schusswunden, Kratzer, Be-haarung, Schuppenflechte und Krampfadern sind auf der dünnen Haut zurück geblieben.


"Schmetterlingskind"

Brigitte Sindinger-Leben

HAUTNAH
Textilarbeiten von Studierenden des Faches Textiles Gestalten
der Universität Mozarteum Salzburg

Kissen mit scharfen, spitzen Elementen: Flachgewebe
Barbara Imböck, Karin Zentner, Barbara Waldauf, Marianne Gimplinger, Johanna Hösl, Andrea Baumgartner, Teresa Kaineder

 
Weiße Tüllflächen mit aufgedrucktem Muster: Modeldruck
 
Sonja Brandl, Julia Genser, Katharina Klick, Magdalena Linhofer, Simona Perfeller, Marion Zwerger
Farbige Texturen im Rahmen: Applikation, Quilt
Katharina Aradi, Conny Mayrhofer, Marion Zwerger, Julia Bachleitner, Katharina Klick, Sonja Brandl, Julia Genser
 

Helle Leinenbahnen mit farbiger Broschierung: Körperfoto, Flachgewebe
Katharina Aradi, Christina Heiß, Simona Perfeller, Conny Mayrhofer, Maria Steinmauer, Marion Zwerger

   
 
Große Fotografien mit integrierten Brettchengewebe  
Julia Bachleitner, Sanja Brandl, Christina Heiß, Simona Perfeller, Conny Mayrhofer, Maria Steinmauer
Transparente Hemdchen mit Oberflächenveränderungen:
Applikation, Mola, Quilt
Katharina Amadi, Christina Heiß, Conny Mayrhofer, Maria Steinmauer
rosa/rote Hautteilchen: Filz

Julia Bachleitner,
Julia Genser

 
Szenen der Vernissage