Sigrid Langrehr
Sigrid Langrehr

Sigrid Langrehr ist eine interessante, vielseitige Künstlerin. Die meisten kennen ihre künstlerischen Arbeiten auf dem Gebiet der Neuen Medien, Videokunst, Fotografie und Siebdruck. Die wenigsten Leute wissen, dass Sigrid Langrehr auch Textiles Gestalten studiert hat und wir freuen uns, heute einige ihrer Arbeiten aus dem Textilen Bereich präsentieren zu können. Ähnliche Applikationen hat sie 2009 in Novokutznetsk in Sibirien ausgestellt.

Schon als Studentin am Mozarteum hat Sigrid Langrehr mit Feingefühl und Akribie kleine bildhafte Applikationen gestaltet, die von so hoher Qualität waren, dass ich sie heute noch als besonders gelungene Beispiele  in meinen Vorlesungen zeige.

Ihre besondere Beziehung zum textilen Material, zu speziellen Stoffqualitäten und Mustern kann man auch in den ausgestellten Arbeiten erkennen. Auch das langsame, langwierige und sorgsame Festnähen und Sticken gehört wie das Zeichnen, Drucken und Filmen zu den Ausdrucksformen von Sigrid Langrehr.

Wenn man die Galerieräume betritt, sieht man auf den ersten Blick große Flächen, Liniengefüge, Schwarz, Weiß und Regenbogenfarben.

Bei näherer Betrachtung erkennt man Bilder, in denen Frauen interagieren oder mit Gegenständen manipulieren. Wie Filmszenen reihen sich Ereignisse aneinander, die für sich stehen, aber auch ineinander übergehen. Was geschieht, erschließt sich nicht sofort. Im Kopf der Betrachter entstehen Abläufe, Geschichten, fast Filme, die man mit den Beschreibungen, die Sigrid Langrehr auf einem Begleittext anbietet, vergleichen kann.

Eine Arbeit musste ich mir erklären lassen, da ich eine große Formation mit einem leuchtend roten Fleck in der Mitte in einer leeren Landschaft nicht deuten konnte. Sigrid hat mir gesagt, dass es sich dabei um eine Schwitzhütte in Sibirien handelt. Solche Hütten hat sie in Sibirien in einer völlig einsamen Gegend abseits jeder Zivilisation immer wieder gefunden, als sie dort auf einer langen Wanderung mit ihrer kleinen Tochter war. Es sind Holzverschläge, die Außen mit vielen Hüllen von Stoff bedeckt sind, um innen die Wärme zu halten.

Ich bin davon fasziniert, dass Sigrid einerseits so filigran und zurückhaltend wirkt, andrerseits aber sehr zäh, mutig und dynamisch ist. Sie lotet ihre Grenzen aus, möchte am neuesten Stand sein, geht Risiken ein, wie z.B. beim Surfen auf der Welle im Almkanal.

Ihre vielen Facetten als Künstlerin auf verschiedenen Gebieten, als Multitasking-Frau und als Mutter kann man auch in den Bildinhalten ihrer großen Applikationen erkennen.
Wenn man ganz nahe an die Arbeiten herantritt, sieht man, dass nicht alles flächig ist, sondern dass manche Teile hervortreten. Viele Formen sind gedruckt, andere bedruckt und appliziert. Manchmal sind mehrere transparente bedruckte Stofflagen übereinander appliziert und vermitteln so mehrere Szenen gleichzeitig.

Sigrid  Langrehr wählt die Textilien sehr subtil aus, die Hintergründe sind oft Tischtücher, feine teure Damaste auf die gemusterte, strukturierte Recyclingmaterialien als Farbflächen appliziert sind. Sehr schön ist es, wie sie gestickte Monogramme und spitzenartige Blumenmotive mit satter Farbe überdruckt und sie so hervorhebt.

Es überrascht, dass einige reale Exponate in die Szenen montiert sind, Textilien aus dem wirklichen Leben, wie z.B. ein Putzfetzen, Arbeitsschürzen, Handschuhe und Hausschlapfen...

Sigrid Langrehr verbindet so die alltägliche Wirklichkeit mit abgebildeter Realität und fantastischen doppeldeutigen Bildern.
Manchmal laufen einzelne Teile aus den Bildflächen hinaus, wie z.B. ein
einsames Auto, das seinen Weg an der Wand ausleuchtet, oder eine
Straßenmarkierung, die sich auf dem Holzboden fortsetzt.
Dieses Einbeziehen des Galerieraumes ist besonders spannend.

Sigrid Langrehrs Ausstellung ist als Gesamtkonzept zu sehen, alle Arbeiten sind wirklich miteinander verbunden, oder treten miteinander in Beziehung.
In einer Arbeit verbindet ein dicker Faden mehrere Szenen und eine große Nadel beginnt auf der Nachbarwand ein neues Bild zu sticken.

Brigitte Sindinger-Leben

GESPRÄCHSSTOFF

Raum 1: „Mein glückliches, schwarzes Hendi“ 5-teilig,
Gesamtgröße: 3m x 1m75
„Das lässt sich nicht vom Tisch wischen“ 4-teilig
Gesamtgröße: 3m x 1m30

Raum 2: „Kaffeepause zu zweit“ 1-teilig,
Gesamtgröße: 4m x 2m40
„Kein Empfang“ 6-teilig
Hauptteil: 1m50 x 3m

schwarzes Hendi
Hendi Frau gegenüber Kaffeepause

 

 
aktive Frau
App
"das lässt sich nicht wegwischen"
 
Siebdruck
Siebdruck Stickerei Stickerei
 
 
Stickerei   Stickerei
 
Bilder der Vernissage
Jacke   Kind  
 
  Dampfblase Monogramm  
 
    Wald rote Schürze