Correa

Die Textilgalerie präsentiert erstmalig in Österreich eine site-specific Installation der brasilianischen Künstlerin Patricia Carmo Baltazar Correa.

Die Künstlerin hat sich seit 2005 (Corpus, Rome 2005; Bucato, Rome 2006 und Madre, Rome 2008) oft mit Textilien in ihren Installationen beschäftigt und wurde eingeladen, eine Arbeit für die Sammlung Aichhorn zu entwickeln.

Die Ausstellung besteht aus zwei Segeln, thematisch getrennt als Rauminstallation, in jeweils einem der beiden Räume der Textilgalerie. Begleitet werden die Arbeiten von einer Fotosequenz und Zeichnungen in Öl und Aquarell. Patricia Carmos Arbeit bezieht sich auf wahre Geschichten, in diesem Falle einer Reise nach Canavieiras in Brasilien, um sie doch gleich wieder zu verlassen und den Betrachter in eine poetisch, leicht ironische Welt zu entführen.
Die Elemente sind unschwer erkennbar, und doch der eigentlichen Bedeutung und Funktion enthoben. Der Mann auf dem Foto bewegt sein Boot mittels Segeln, die aus Plastik und Werbeplakaten der letzen Wahlen bestehen.

Die Installation im zweiten Raum besteht aus 18, von der Künstlerin aus Baumwolle selbst hergestellten Waffen. Die Vorlagen stammen aus dem jederman zugängigen Internet. Diese Installation wird von einer Serie Zeichnungen begleitet und bietet den eigentlichen Zugang zu Patricia Carmos Werk. Das Zeichnen ist für Patricia Carmo ein Mittel, um Denkprozesse aufzuklären, die das subjektive Leben in eine Welt von Linien und deren Möglichkeiten darstellen. Dies sollte als Mittel dienen, nicht nur um die Außenwelt besser kennen zu lernen, sondern vor allem um nachzuforschen, was in den verstecktesten Ecken der Seele zu entdecken ist.
Eine Linie aufs Papier zu ziehen ist reines Umsetzen von Gedanken, deshalb kann die Künstlerin manchmal zu Stoff, aber auch zu Ton oder Holz greifen, um ihre Welt dreidimensionell genauer zu vollenden.
Ihre Rauminstallationen sind wie eine Reise ins unerforschte Land, genauso wie sie selbst den „Endeffekt“ ihrer Arbeit und deren Entfaltungen erst entdeckt, wenn der Raum fertig eingerichtet worden ist. Die Künstlerin ist selbst Zuschauer ihrer Arbeiten. Patricia Carmos Zeichnungen bestehen meistens aus grünen Elementen, die mit Ölpastell auf eine bereits mit Öl und Pigmenten vorbereitete Oberfläche aufs Papier oder Holz präpariert wurde. Die Zeichnungen sehen dadurch verwischt und ungenau aus. Diese abstrakten Arbeiten sind das Resultat der Auseinandersetzung mit religiösen Fragen, die mit der Zeit auf eine Linie reduziert wurden, und sind die Eckstein ihrer formalen Forschung. Der Titel der hier ausgestellten Arbeit bezieht sich auf das berühmte Gedicht des brasilianischen Dichters Carlos Drummond de Andrade „Poema de Sete Faces“ aus dem Jahr 1930 (Gedicht der sieben Gesichter), das so anfängt: „Als ich geboren wurde / Sagte ein krummer, im Schatten lebender Engel: / Geh, Carlos, sei unfähig im Leben“. Waffen aus Stoff und Segeln aus Plastikfolien, das Spüren einer surrealistischen, dichterischen Welt, oder Beweise der Tatsachen der häuslichen Gewalt und Souveranität des Plastiks über edlere Materialien? Die Frage bleibt dem Zuschauer offen.

Ausstellungen.pdf

MEINE ZWEI LINKEN SEGEL

 

Segel 01
     

Neutro artesanato da vida 2009                                                1800 €
(Neutrales Lebenshandwerk), genähte Plastikfolien, 2 x 3 m        

 
  Segel 02    

Indo fazendo  2009                                                320 €
(Machen beim Gehen), genähte Plastikfolien, 63,5 x 37 cm

 

Indo lá 2009,        390 €
(Auf dem Weg dorthin),
Inkjet Abdrücke auf
Hanemühle - Papier
Papier  14 x 17,7 je
(eingerahmt)

A idéia de ir 2009,        130 €
(Die Idee vom Gehen)
Bleistift auf Papier,
30 x 21 cm

 

A posibilidade de ir 2009, 130 €
(Die Möglichkeit zu Gehen),
Bleistift / Wasserfarbe
auf Papier, 30 x 21cm     

Foi necessário 2009,  
230 €
(es war notwendig)
Wasserfarbe auf Papier,
15 x 21,5 cm

 

As minhas, as tuas, as nossas defesas 2009
2600 €
(Meine, Deine, Unsere Verteidigung)
18 genähte Elemente aus Baumwolle, 2 x 3 m