Almyra Weigel
Almyra Weigel

geboren Anfang der 60ger Jahre in Prienai, Litauen.
1987 – 1993 Textilstudium an der Kunstakademie Vilnius.
1993 – 2001 Assistentin am Kunst-institut Kaunas.
seit 2001 freischaffende Künstlerin in Berlin.
ab 2002 Dozentin für Textile Kunst an der Kunstakademie von Litauen.

ausgewählte Ausstellungen und Projekte

2009 Kuratorin der Sonderschau
„Moderne Textilkunst des Baltikums“, Creativa Dortmund
2008 Kuratorin der Ausstellung „ Textile Kunst aus Litauen“,
Frauenmuseum in Bonn, Gruppenausstellung in Leipzig
2007 „global intrigue“
3. Europäische Textilkunst – Triennale, Riga
2006 „The route“ 2. Biennale der Textilkunst, Vilnius
„Nacht und Nebel", Offene Ateliers im Atelierhaus, Berlin
2003 1. Internationale Triennale der Miniaturtextilkunst, Szombethely
2002 7. Internationale Triennale der Miniaturtextilkunst, Angers
2000 „Textile (Ver)bindungen Litauen – Österreich“,
Salzburg - Berchtoldvilla

In meiner Arbeit experimentiere ich mit verschiedenen Materialien und Technologien und versuche auf diesem Wege innovative Ausdrucksformen für meine Ideen zu finden, die von einem konzeptuellen Kunstverständnis geprägt sind. Hierbei werden natürliche und synthetische Materialien aller Art, Metalle und sogar Lebensmittel verwendet.
Entscheidende Fixpunkte meiner aktuellen Arbeit sind der menschliche Körper und die ihn umgebende Kleidung.
Die Kleidung, die unseren Körper schützt, verhüllt und ihm kulturelle Identität verleiht, wird in meinen Objekten durch ihre Durchsichtigkeit zum Medium, das den Blick lenkt auf das Verborgene der Identität, aber auch auf Einflüsse, die von außen auf diese Identität einströmen.

In letzter Zeit war ich mit dem Projekt „Schürzen“ beschäftigt, das in seiner Thematik einen starken Bezug zur  litauischen Tradition und zu litauischen Bräuchen hat. Die Schürze stellt in der bäuerlichen Tracht ein wichtiges Kleidungsstück mit großer symbolischer Bedeutung dar. Sie schützt die Seele der Frau, die die Schürze trägt, vor den negativen Kräften und Einflüssen der Außenwelt. So wie die Schürze die darunter liegende Kleidung und den Körper vor Schmutz schützt, so schützt sie auch die dahinter verborgene Seele vor Verunreinigung. Indem die Schürze das unter ihr verborgene von ihrer Umgebung abgrenzt, nimmt sie jedoch gleichzeitig die Außenwelt in sich auf und hat diese gleichsam in sich gespeichert. Die von mir verwendeten Materialien wie Kaffee, Zucker, Haare etc, mit denen ich die verschiedenen Schürzen kennzeichne,  sollen auf die verschiedenen möglichen Identitäten hinweisen, die unter den Schürzen verhüllt sein können. Dies gilt natürlich auch für die Schürzen mit den abweichenden Formen, das heißt, deren Form ich verändert habe. Die Verfremdung der traditionellen Schürzenform dient hierbei auch dazu, aktuelle Themen anzusprechen wie zum Beispiel bei den Arbeiten „Wochenschürzen“ und „Täglich Brot“. In diesen Werken sind es Stichwörter wie Globalisierung und Kommunikation, Überfluß und Hunger, die unter dem Gesichtspunkt des Gegensatzes von Tradition und moderner Gesellschaft betrachtet werden und die als „Außenwelt“ in den Schürzen (und wohl auch in der darunter verborgenen Identität) ihre Spuren hinterlassen.

Almyra Weigel

Zeitgenössische Kunst aus Litauen
Arbeiten von Almyra Weigel

Vernissage am 3. Juli 2009

 
Webraum

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Täglich Brot
 
Wie der Zufall so will