Ausstellungsraum Vernissage am 03. April 2009

Kaschmir

Die Region Kaschmir ist seit 1947 nur noch ein Fragment. Die damals vereinbarte Volkabstimmung über die Selbständigkeit des Landes bzw. Zugehörigkeit zu Indien oder Pakistan wurde bis heute noch nicht eingelöst. Dafür herrscht seitdem Krieg zwischen Pakistan und Indien.

Kurze Geschichte von Kaschmir:

In der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends war Kaschmir ein wichtiges Zentrum des Hinduismus und später des Buddhismus. Im 9. Jhdt. Zentrum des Shaivismus. 1349 wird Mizra Shah erster moslemischer Herrscher, er eröffnet die Linie der Salatini-i-Kaschmir, welche die nächsten fünf Jahrhunderte herrschen, einschließlich der Mughals. Ab 1751 herrschen die afghanischen Durranis. Ab 1820 kommen unter Ranjit Singh die Sikhs an die Macht. Mit dem Vertrag von Amritsa kaufen die Sikhs unter Gulab Singh von den Briten diese Region. Seit der Unabhängigkeit von Indien ist das ehemalige Kaschmir unter Indien, Pakistan und China aufgeteilt.

Zum Kaschmirschal

Wahrscheinlich waren es die Frauen der englischen Kolonialherren, die schon im 18. Jahrhundert - so zu sehen auf Portraitmalereien aus dieser Zeit – den großen Schal aus Kaschmir getragen haben und zu schätzen wussten, zumal es in dieser Zeit noch keinen Mantel in der Mode gegeben hat. Eingang in die Damenmode vor allem in Frankreich machte der Kaschmirschal anfangs des 19. Jahrhunderts, als Napoleon seiner ersten Frau, Josephine de Beauharnais, zur Hochzeit einige Kaschmirschals schenkte. Daran kann man auch erkennen, welchen Wert zur damaligen Zeit ein derartiger Schal bereits hatte. Er wurde zum Statussymbol in der Modewelt. Französische Designer ließen nach eigenen Entwürfen in Kaschmir die Schals weben. Zur damaligen Zeit gab es in Kaschmir ca. 23.000 Webstühle, der Schal war die Haupteinnahmequelle der Kaschmiris. Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa, vorerst in England, dann aber auch in Frankreich und anderen europäischen Ländern, die maschinelle Herstellung des Kaschmirschals. Das sog. Paisley-Muster ist benannt nach einer kleinen Stadt in Schottland, in dem Schals mit diesen Blumenmuster maschinell gefertigt wurden. Die Engländer exportierten diese Schals nach Indien und legten hohe Zölle auf die in Kaschmir von Hand gewebten Schals. Dies hatte zur Folge, dass die Kaschmirweberei in Kaschmir Mitte des 19. Jahrhunderts total zusammenbrach. In Europa verdrängte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Entwicklung des Mantels allmählich den Kaschmirschal als modisches Accessoire.
Zum Material und zur Bezeichnung
Das Wort "shal" kommt aus dem Persischen und war dort die Bezeichnung für einen Wetterschutz der Hirten, wurde also ausschließlich von Männern getragen. Im 15. Jahrhundert sollen aus Turkestan eingewanderte Weber in Kaschmir die Schalweberei begründet haben. In der Mogulzeit (1586 – 1753) findet die Webkunst ihren Höhepunkt. Das Boteh-Motiv („mir-i-boteh“ persisch, bedeutet: „die Blume des Fürsten“) wird in der Mogulzeit (Anfang 18. Jahrhundert) zum wesentlichen Dekorelement des Kaschmirschals. Aus der Darstellung einer Blume wurde ein Blumenstrauß In der folgenden afghanischen Zeit (2. Hälfte des 18. Jahrhunderts) wird das Oval des Blütenstandes am oberen Ende geneigt und wird zu einem Motiv, das auch in der frühen persischen Buchmalerei und bei der Teppichknüpferei vorkommt. In dieser afghanischen Zeit findet der Kaschmirschal auch Eingang in der europäischen Mode.
Die kostbarsten Schals wurden aus der Unterwolle der Changra-Bergziege hergestellt, das ist jene Wolle, die wir heute als „shatoosh-Wolle“ bezeichnen. Das Wort kommt aus dem Persischen und bedeutet soviel wie „pleasure of kings“. Diese Ziegen leben im Himalaja in einer Bergregion von 3000 bis 5000 m Seehöhe, brauchen daher einen entsprechenden Schutz vor der eisigen Kälte. Im Frühjahr bleibt diese Unterwolle am Gestrüpp hängen und wird von den Hirten gesammelt. Die Paschmina-Wolle war die Wolle der Hals- und Bauchpartie dieser Bergziegen. Das Wort pashmina stammt ursprünglich aus einem persischen Dialekt und bedeutet soviel wie „Wolle“ bzw. „aus Wolle gefertigt“. Es hat sich zunächst im nepalesischen und nordindischen Sprachgebrauch, später auch international als Bezeichnung für breit gefertigte Tücher durchgesetzt, die aus einem Gemisch von Kaschmir-wolle (Anteil 70%) und Seide (Anteil 30%) gefertigt sind.
In der letzten Zeit wurde der Begriff vor allem im deutschen Sprachgebrauch häufig für billige Tücher aus Viskose oder anderen Kunstfasern missbräuchlich verwendet, zumal der Begriff „paschmina“ zum Unterschied von „kaschmere“ nicht dem deutschen Textilkennzeichnungsgesetz unterliegt.

Ferdinand Aichhorn

KASCHMIR-Schals
vom 18. bis 21. Jahrhundert
Sammlung Ferdinand Aichhorn

Raum WEST - Gewebtes

Webraum

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Hier herrscht der Webstuhl vor. Die vier Schals an der Stellwand stammen aus dem Familienbesitz der Ghanis von Ghanihama (Nähe Srinagar). Zeitlich sind sie der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. bis ersten Hälfte des 19. Jhdts. zuzuordnen. An den Seitenwänden hängen zwei typische Vertreter der Kaschmirschals aus der Biedermeierzeit. In der Auslage liegen drei Schals: der mittlere davon ist von der Familie Ghani, um ca. 1990 noch handgewebt, die beiden anderen sind maschinell hergestellt. Auf der Leiter hängen Schals aus der Galerie design-art von Frau Astrid Peller. Diese sind aus feiner Kaschmirwolle (paschmina) in Katmandu nach Entwürfen von Frau Peller bestickt bzw. gefärbt worden und käuflich erwerbbar.

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Afghan
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Biedermeier
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Mondschal
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Raum WEST - Besticktes

Stickraum
 
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Die 3 Schals an der Wand gegenüber dem Eingang sind von Hand gewebt, bestickt und teilweise noch zusätzlich koloriert. Sie stammen ebenfalls aus dem Besitz der Familie Ghani und sind zeitlich gleich den gewebten einzuordnen. An der Wand gegenüber hängt ein Senneh-Kelim aus Persien (ca. 1880). Auffallend ist die Ähnlichkeit in der Musterung mit den Schals (gegenüber) bezüglich der Streifenform und dem Boteh-Muster. Im Vergleich dazu sind die handbestickten Schals in der Auslage aus unserer Zeit. Der Teller und die Dose in der Auslage sind typische Handarbeiten, wie sie noch heute im Bereich Dal-Sees in Srinagar gefertigt werden.
 
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